Ich fahre meine Schwester besuchen. Ja. Es ist zwar kalt, aber ich bin sowieso mit dem Fahrrad unterwegs. Kalt? Naja… so -5°C bis 0°C eben. Ein bisschen in die Pedale treten – das funktioniert schon. sind ja auch nur 90,4 km, und ich habe einen ganzen Tag Zeit! Also…

… ich packe in meinen Rucksack – man weiß ja nie:
Eine Fleece-Decke! Das ist der Ersatz für eine ISO-Matte welche ich leider nicht besitze!
Einen Gaskocher! schien mir als das günstigste und leichteste Heizmittel – für den Fall der Fälle, dass ich wo im freien übernachten muss – und auch das legalste.
Einen Schlafsack! Natürlich, irgendwo soll man ja auch pennen. =)
Eine Hängematte! Keine Ahnung warum 😀

Dann noch einmal schlafen, Wecker gestellt, 5:00h morgends will ich starten.
Das war mal nix, denn um 8h morgends grinste mich mein Handy mit abgedrücktem Wecker an – was solls. Hopp auf die Beine, ich brauche Tee. Zum mitnehmen. Kochend heiß. In Plastikflaschen… ouch! naja, dann halt den Tee abkühlen lassen – wird sowieso kalt beim fahren.

Fertiggepackt! Zwiebelprinzip!
unten: Boxershort + kurze Sporthose + Jogginghose + lange schmutzunempfindliche Hose
oben: Aktiv-Shirt + kurzes Aktiv-Sommer-Trikot + langes Aktiv-Winter-Trikot + Windbreaker! + Haube und Helm!

Aus Wien herauszukommen ist das schwierigste an der Sache, und auch das nervtötendste – dauert mindestens eine Stunde. Schnellster Weg natürlich am Gürtel und dann auf die B17, meine “Fahrrad – Autobahn” bis Wiener Neustadt. Dort 2-3 mal blinken, und auf der B45 weiter.
In Aspang am Wechsel angekommen gibt es einen herzlichen Empfang von meiner Mami und 2 meiner Schwestern und noch dazu Kaffe zur freien Entnahme und Powerfutter! Auf dem Weg ernährte ich mich wie immer von Äofeln und Müsli-Riegeln. Da kommt ein deftiger Nudelsalat mit viel rohem Gemüse und Mayonese ganz gut.
2 Stunden später wird die Bergetappe in Angriff genommen. Ich erinnere mich beim hochfahren daran, wie ich mit meinem Auto immer im 2. Gang fahren hab müssen, und zwar 4 Kilometer weit, denn dieser Berg ist so steil, dass alles andere nicht möglich war. Selbiges beim Fahrrad. Erster Gang. und zwar die ganzen 7  Kilometer lang und trotz leichtem Gang durchtreten bis zum Ende, bis der Kopf pocht, der Puls hörbar wird, bis die blitzende Ledlampe sich in die Bindehaut eingebrannt hat, die Füße gespürloß, nur eine Wärme die in ein langsames Brennen übergeht, durch den ganzen Körper – AH! Da wird es wieder eben. Vor lauter Anstrengung auf ein energetisches NULL gebracht geht es selbst auf der ebenen Strecke nur in ersten Gang weiter, im Schritttempo. Bis zur nächsten Steigung. Es flimmert weiß vor den Augen. Und die Haut beginnt zu stechen, vor allem im Gesicht! – Konzentration: Es schneit!

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In völliger Dunkelheit – meine Lampe ausgenommen – komme ich bei völliger Stille und leichtem Schneetreiben in St. Peter am Wechsel an. Jetzt mal aus dem nassen Gewand raus!
Ein Tag vergeht ereignislos. Die Sonne scheint. Das Leben ist schön!
Ich kan noch mehr Geschwister besuchen. Gesagt getan! Google Maps sagt, dass es eine schöne Strecke gibt, ein bisschen durch die Berge, dann über den Semmering und dann nach Mürzzuschlag. Toller Plan. “PLAN”!
Es happerte dann wohl an einem Abschnitt, welcher als Straße eingezeichnet war und sich als etwas anderes herausstellte. Auf folgender Karte (Danke Google-Maps) ist die Route in Rot eingezeichnet. Die hellrote unterbrochene Linie ist die geplante Route. Der gezoome Abschnitt der, welcher mir dann auf der Strecke als tolle Abkürzung erschien. Spart immerhin ein paar Kilometer. Und noch dazu kann ich durch die Natur fahren.

googlemaps

Für Nummerierung siehe folgende Bilder

Ich habe vergessen was für ein Tag es ist. Es ist sonnig. Das weiß ich. Lautes Baustellengetöse lässt mich bei Schlagl aufhorchen. Da wird wohl was gebaut. Oder so. Durch die ganze Landschaft zieht sich ein Riss, aufgegraben von Metallmaschinen der Menschen welche zu Hauf herumstehen. Ein paar wenige attackieren unter ihnen liegendes Erdenreich mit ihren Eisenschaufeln die, wohl um wirksamere Waffen zu sein, mit brutalen Spitzen versehen waren. Immer wieder vernimmt man Steine kreischen, als sie ihre letzten Atemzüge aushauchen und von den Menschenmaschienen zermalmt werden.
Genug der Science-Fiction-Fantasy… wo war ich stehen geblieben?
Ja, die Baustelle, wohl eine Gasleitung oder so, beziehungsweise eine GROSSE Gasleitung – ich hätt locker reingepasst! Dank all dieser Bagger und anderen unbeschreiblichen Monströsitäten war die von mir als netter Weg erwartete dort jedoch schon dubioser Weise als Mountainbike-Strecke bezeichnete “Straße” nur mehr eine Art Schlamm-Rutschbahn. Zu der anstrengenden Steigung also nur klemmende Reifen und Bremsen, also kein funktionierendes Fahrrad mehr.

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Streckenabschnitt 1

Irgendwann verläuft sich die Straße dann, alles eigentlich nur noch Baustelle. Wo Straße sein sollte ist Matsch und Steine. Was solls. Ich fahre ja auch kein Rennrad!
Drei Huptöne lassen mich schmunzeln. Kommuniziert man auf modernen Baustellen immer noch mit Morsezeichen? Der darauffolgende Knall und die Vibration erklären die Situation. Ist wohl ‘ne Sprengung im Gange. Danke für die Warnung. Da ich mich sowieso verirrt hatte – die “Straße”, sprich der Wanderweg “Rot-Weiß-Rot”, war einem Wandereweg “Weiß-Blau-Weiß” gewichen, das kann nur falsch sein!

bild2

Streckenabschnitt 2

Shit! Retour. Mittlerweile wird geschoben. Ein Stecken hat mir gute Dienste geleistet beim Instandsetzen meiner Bremsen welche vom Schotter-Matsch-Schnee-Gemisch unbrauchbar gemacht worden waren. Ein unerfreuter aber doch freundlicher Sprengmeister erklärt mir, dass ein paar Schritte zurück ein Wanderweg in den Wald führt, auf der anderen Seite der Baustelle, also dort weiter gesucht – und siehe da, der “Rot-Weiß-Rot” Wanderweg. Sogar ein bisschen befahrbar. Für die ersten 5 Meter.

bild3

Streckenabschnitt 3

Was solls, Die sonne zeigt mir die Richtung an. Ich muss nach WSW – Westsüdwesten. Fußspuren. im frischen Schnee. Daneben Hundespuren. Ich habe einen Helm auf und bhewege ich mich – dort wo es ohne (!) Lebensgefahr möglich ist – auf dem Rad fort. Auf einem Wanderweg. Und der Förster/Jäger schaut mir wahrscheinlich gerade zu. Nicht so toll.
Aber ein guter Ansporn schneller zu sein!

Irgendwann kommt man dann auf eine Schotterstraße. Da noch Schnee liegt, und ich Stress abbauen will, wird ein wenig gedriftet. Das macht Spass! Auf der asphaltierten Straße angekommen funktionieren meine Bremsen mittlerweile nicht mehr. Ein wahrscheinlich halbes Bremsbackerl abgeschliffen gemischt mit Schnee und Matsch ergeben ein perfektes Schmiermittel. Aber es geht eh noch bergauf. Ich blicke zurück und stelle mir die Linie vor, wie ich wohl durch den Wald gekommen bin.

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Aussichtspunkt 4

Am Semmering oben hab ich dann mit den letzten 4 Taschentüchern meine Felgen gereinigt. Das ist keine tolle Arbeit. Aber die Sonne schien. das Leben war noch immer schön. Runter vom Semmering war auch toll, Ich brauchte nicht bremsen, denn ein leichter Gegenwind hat mir immer genau so viel Schwung genommen, dass ich nicht zu schnell für die Kurven geworden bin. Dann habe ich meiner Freundin – meinem Fahrrad eine Dusche mit dem Kercher gegönnt. Das hat ihm gefallen. Am selben Abend noch mit dem Zug nach Wien, und am nächsten Tag nochmal eine 5-Stunden-Tour am “Sagenhaft”-Radweg entlang um die Burg Kreuzenstein.

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