Kennst du den Begriff “Rauschaktion”?
In unserem Sprachgebrauch versteht man darunter etwas, was man im Alkoholrausch macht, wo man im nachhinein nicht weiß, ob man sich darüber freuen soll oder ob man in die Psychatrie eingewiesen werden muss.

Von einem ähnlichen aber doch ganz anderen Vorfall handelt die folgende … nennen wir es mal “Geschichte”!
Aber da muss ich ein bisschen ausholen…

Meine Schwester und ich sind schlicht und einfach Chaoten. Spontanität ist unser Schlüssel zur Freiheit. Frei und spontan wir wir also sind, machten wir uns eines schönen Mittags auf den Weg in die Südsteiermark, an die slovenische Grenze. Am Weg dorthin, wie immer mit dem Zug, kam uns ein schon öfters erwähnter Gedanke zur Sprache. Es ging um eine Reise ans Meer, und zwar mit dem Fahrrad. Ziel sei Istrien, und die kroatische Küste. Schwer motiviert – und noch nüchtern – haben wir also den modernen Zettel und Stift ausgepackt, den Laptop, und mal eine Liste gemacht, von allen Sachen die wir ncoh so brauchen.

2x Regenplane, 2x Fließdecke, 2x Moskitonetz, 2x Regenjacke, 1x Fahrrad-Schloss, 1x Rücklicht, 1x Ledlampe, 1x Pumpe, 1x Bremse, Kotflügel, 2x große Rucksäcke, 2x Getränkehalter

Schön!

Das wars dann auch schon mit unserer Planung, immerhin hatten wir ja was anderes vor… wir waren unterwegs zu einem Grillfest – auch spontan. Besagtes Grillfest wurde kombiniert mit 2 Kästen Bier, 12 Dosenbier, 2 Flaschen rotem Wein und mehrern – nicht mehr gezählten – 2-Liter-Flaschen Most. Da wir nur zu viert waren, dauerte das Grillfest bis in die Morgenstunden, wir konnten einfach nichts übrig lassen.

Bei gut 4h Heimfahrt nach Wien wurde ansatzweise geschlafen, beim eintreffen kurz geduscht, und dann zum ausnüchtern mit dem Fahrrad ein bisschen über die Donauinsel gecruist.
Man muss sagen, dass so gut wie jede Strecke der letzten Wochen, die länger als bis zur Haustüre waren, auf dem Rad zurückgelegt wurden. Scheinbar haben wir eine Art Sucht entwickelt, die uns auf unseren Drahtesel festhält.

Als wir am nächsten Tag aufwachten, es muss wieder um die Mittagszeit gewesen sein, erspähre ich eine Kurznachricht auf meinem mobilen Telefon, die besagte, dass wir bei meiner Mitbewohnerin in Kärnten eingeladen seien. Allerdings müssten wir uns beeilen, da der letzte Zug bald abgefahren sei.
Ohne zu überlegen wurden 2 Rationen Kleidung eingepackt, die Räder gesattelt, und schon waren wir wieder auf dem Weg in den Süden – im Hinterkopf unsere Reise ans Meer, die wir von Kärnten wohl am besten starten könnten.

In Spittal-Millstädtersee angekommen erwarteten uns 200 Höhenmeter auf weniger als 4 Kilometern, die wir bei Nacht und Finsterkeit zurücklegten um dort bei den Ritterspielen ein kühles Bier zu genießen, und dann weiter zu Judith zu fahren.

Dort gabs noch 2-3 Bierchen für jeden von uns, als kleine Motivation für den nächsten Tag, und dann kippten wir in unsere Betten, freudenstrahlend den Träumen entgegen.

Am nächsten Morgen aufgewacht. Das passiert hin und wieder. Freudenstrahlend noch eine warme Mahlzeit verdrückt, gehts per Fahrrad hinab vom Berge, fort aus Trefling, zum Hervis, in Spittal. Stimmen ließen verlauten dort sei Ausverkauf. Mir nichts dir nichts reingeplatzt, und einen Teil der oben genannten Liste und mehr in den Besitz gebracht.
Ein toller Rucksack, Lichter fürs Fahrrad, Regenschutz für den Rucksack – den Regenschutz für uns selbst haben wir anscheinend vergessen. Dazu später. Einen Helm für mich, 2 Schlafsäcke, da wir im Unterbewussten doch ahnten, dass in freier Natur die Temperaturen nicht zu unseren Gunsten stehen würden.

Voll ausgerüstet in Spittal am Bahnhof, und schwer motiviert! Viele Gedanken steigen einem zu Kopfe, wenn man ins ungewisse startet, zum ersten mal auf eigene Faust und auf eigene Verantwortung, über die Grenzen des Landes hinaus, weit weg! Nervosität war auf keinen Fall vorhanden, mehr Vorfreude auf die Ungewissheit.

In Villach am Bahnhof machten wir uns zum ersten mal Gedanken über die Strecke, beziehungsweise über den Anfang der Strecke. Bisher wussten wir nur, dass wir ans Meer sollten. Ein spontaner und wahrscheinlich sehr guter Einfall riet uns zum Kauf einer Karte des Gebietes, welches wir durchqueren sollten. Also einfach mal dort den direkten Weg gewählt, und auf unser Glück vertraut, dass es schon gut gehen würde.

Nächstes ziel: per Zug nach Neuhaus an der Gail. Gut. Mehr oder weniger. Im Zug trafen wir einen schwer erfahren aussehenden Radfahrer, mit knappen 700 Kilo Gepäck auf dem Fahrrad, und ausgerüstet wie jemand, der um die Welt fahren wolle. Nach einem kurzen Plausch stellte sich heraus, dass er über die von uns zu durchquerende Gegend ausreichend Bescheid wusste. Von ihm bekamen wir den ersten Eindruck der Route. Anderst gesagt war er der, der uns überhaupt eine Route vorschlug. Sehr vielversprechend, ein See auf der Strecke, ein wunderschöner Pass und gemütliches radeln bis zum Meer.
Der Großteil davon sollte sich bewahrheiten.

Also, umgeplant
… kurze Zwischeninformation: geplant ist gar nichts. Aber wenn man ein Ziel auf einem anderen Weg zu erreichen versucht, als man ursprünglich gedacht, dann verwende ich dafür diesen Ausdruck!…
weiter im Text.

Nächster Halt / Next Stop: Arnoldstein. Oh wie herzlich die ÖBB doch sein kann, wenn man ihr ein bisschen Geld spendet. Am Bahnhof in Arnoldstein haben wir unser Zeug festgeschnallt, und sind in Richtung Italien aufgebrochen. Es war leicht bewölkt, und vor uns türmte sich ein Berggipfel nach dem andern, als stritten sie sich um den Platz des höchsten Berges der Welt. Aufgehalten wurden sie nur von den schweren Regenwolken, welche darüber trohnten.

Posend und mit vollem Handyakku noch ein paar Bilder geschossen, und dann wieder ins Getriebe gestiegen. Ca. 2 Meter nach der Italienischen Grenze blieben wir dann nochmal stehen, um ein paar unsere nachen Verwandten/Bekannten zu informieren dass wir nun gesund losfahren. Und um noch einmal Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen, die wir in den folgenden Tagen nicht erwarteten. Wir erwarteten gar nichts. Verwunderlich, dass wir trotz diesem Umstand anflüge von Abenteuerlust udn Nervosität bekamen, zumindest ich, allerdings gut verstaut unter den bisherigen Anstrengungen die sich in meinem Gesicht spiegelten.

Also radelt man frühlich los, die Bundesstraße in Italien entang. Ein äußerst suspekter Tunnel ließ und vorsorglich unsere Lichter auf den Rädern anbringen. Alle Tunnel in Italien sind scheußlich. Zu mindest alle alten Tunnel. Zum Fürchten. Schnell durchgetreten, beim anderen Ende raus, und auf die frisch als Radweg präparierten alten Schienen. Nennt sich “Rail-to-Trail”, wenn alte Bahnstrecken zu Radwanderwegen werden und ist dementsprechend angenehm zu fahren, da Steigungen nur in geringem maße vorhanden sind.
Nach ein paar Kilometern erreichten wir Davis oder Travisio oder auch anderst – wir waren nicht aufnahmefähig für Dorfnamen. Links neben dem Radweg verläuft die Straße, die durch diesen Ort führt. Volkstümliche Musik wehte uns entgegen. Es war wohl ein Feiertag, an dem wir “einritten”. Wahrscheinlich feierten sie uns – warum auch nicht.
Ein wenig belustig und doch schockiert überholten wir die Spitze der dort auftretenden Parade, wo zu militärischem Trommeln eine camouflierte Truppen anscheinend unbewafneter Soldaten stolzierte. Ein wunderbarer Eindruck von Italien war gegeben.

Wenige Minuten und einen guten Kilometer später befanden wir uns NICHT auf der Bundesstraße SS54. Also mal die Karte, welche wir in Villach gekauft hatten aufgeschlagen, und durchgeblättert. Karten sind scheußlich, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, und keinen Tisch zum auflegen hat. Und diese Karte im speziellen war noch dazu unvorteilhaft, sehr unvorteilhaft sogar, da der Maßstab 1:516.000 betrug. Unser dieszeitiger Standort war somit nicht zu erkennen, genausowenig wie die Ortschaft, die wir durchquert hatten.
Ein guter Pfadfinder scheut sich aber nicht solcher Problemstellungen, packt sein Mobiltelefon aus und klinkt sich bei Google Maps ein. Sehr teuer im Ausland. Aber genauso hilfreich.
Es ging wieder zurück bis Davis, und dort durch den Ort, der mittlerweile wieder zur Ruhe gekommen war. Wir fanden sogar eine Beschilderung der auf uns wartenden Sehenswürdigkeit: Dem “Lago del Predil”.
Voller Motivation und voller Flausen im Kopf die nächsten Kilometer bergauf. Eine schöne Strecke, ein wenig Schluchtig, aber duch hell, ein türkiser Gebirgsbach, so gut wie kein Verkehr – genau richtig für uns.

Hier muss ich erwähnen, dass die Gegend mich eher an Bilder aus dem früheren Jugoslavien zu Kriegszeiten erinnerte. Zerfallene – aber bewohnte – Häuser. Totenstille.

Nächster Halt war Cava del Predil, ein kleines Bergkaff mit einem beeindruckenden Bergwerk, welches äußerst pompös aber schrecklich zerfallen wirkte. Leider konnten wir nicht ausmachen, ob dort noch Menschen arbeiteten oder nicht.

Aber für Sightseeing waren wir ja nicht gekommen. Je höher wir kanem, desto näher kamen wir auch der slovenischen Grenze, bemerkbar duch die von Hand mit Steinen und selbstgemachtem Mörtel aufgebauten “Wachhütten” mit Schießscharten, die zerfallen und beinahe zur Unkenntlichkeit zerschossenen neben der Straße lagen.

Da waren wir also, am Predil-See. Geschätze Lage: 900m ü.d.A.Meer
Durch noch immer dichte Wolken worde uns leider ein schöner Sonnenuntergang verwehrt, und auch die Luftemperatur war dementsprechend niedrig. Aber der Anblick des See’s entschädigte vorerst für die Strapatzen und ließ uns das Rundherum vergessen.
Als wir chillend am Seeufer saßen, wurde uns der Umstand bewusst, dass sich unser Proviant auf 2 Äpfel beschränkt und dass unser Vorschlag auf der Strecke proviant zu checken wohl in die Hose gegangen war. Die Wahrscheinlichkeit in diesem rundum so gut wie menschenleeren Gebiet einen Supermarkt mit Frischfleischtheke und italienischen Spezialitäten zu finden war anscheinend doch nicht so hoch.
Schwuppdiwupp, die Äpfel verschlungen und grinsend das beste erwartend noch schnell eine Zigarette geraucht, und schon waren wir auf der Suche nach einem Schlafplatz für die Nacht. Die schon eingefallene Dunkelheit machte uns die Suche nicht unbedingt leicht, aber nach wahrscheinlich 15 Minuten verstecken der Fahrräder und 20 Minuten Abstieg eines glitschigen Hanges voll Geröll und umgebrochenen Bäumen hingen wir in unseren Hängematten 2 Meter entfernt vom See in der Nacht – vermeintlich geschützt von den nächtlichen Gefahren der Natur.
Aus dem schlafen wurde allerdings nicht viel. Nach einer guten Stunde bin ich eingenickt, jedoch nicht für lange. Sonnhild bekam es gar nicht hin. Die Nervosität und Kälte hielt unser Gehirn so auf Trab, dass an Schlaf nicht zu denken war.
Gelegentliches zupfen an der Hängematte, herbeigeführt vermutlich und hoffentlich duch Eichhörnchen oder Mäusen, raschelnde Geräusche, eingebildete Schritte und spukiges Wetterleuchten mit aus der Ferne ansteigendem Donnergrollen lösten eine Art Gefahrenbereitschaft aus, die ich auch schon bei Hunden bemerkt habe. Man liegt da, als schliefe man, der Körper kann ruhen, aber bei dem ersten Geräusch oder einer sprunghaften Veränderung der Stimmung liegt man wieder hell wach da, den Finger am Schalter der Taschenlampe, und horcht in die Stille, um eine Sekunde später ein flüsterndes “Hast du das auch Gehört?” von dem “Zimmergenossen” zu hören. Derartiges hochschnellen des Pulses macht es schwer, Ruhe zu finden. Immerhin war weit und breit keine Menschenseele, und rumherum nur unbekanntes felsiges Gebiet, weit abseits der Heimat. Gott sei dank erfuhren wir im Nachhinein – also ca. 2 Wochen später – dass die Braunbären, welche in dieser Gegend hausen für Menschen ungefährlich sein.

Moment… BRAUNBÄREN?
Ein kurzes Kribbeln in meiner Unterhaut lässt mir für eine Sekunde die Haare zu Berge stehen. Was für ein Glück, dass wir uns diesem Umstand nicht bewusst waren!

Weitere passive Anwesenheit über die folgenden Stunden bleibt unkommentiert. Die immer wieder zwischen den Bäumen funkelnden Sterne waren allerdings ein äußerst Beruhigender Faktor – sie bestätigten die Erfüllung des Wunsches im trockenen schlafen zu können – bis sie verschwanden. Und das einzige was dann ein Funkeln verursachte, war die Erbostheit über den aufkommenden Regen und das Gewitter. Es war 5:30h morgends.
Anfangs versuchten wir unserer Standhaftigkeit und unserem Trotz mit dem Verstecken unter unseren Hängematten ausdruck zu geben, aber in dem Gedanken daran, dass wir das Zeug trocken brauchen würden, gaben wir der Natur nach, packten unsere Sachen und flüchteten in den am Vortag durchfahrenen Tunnel, welcher einen hervorstehenden Teil des Berges durchfahrbar machte. Sekunden bevor das folgende Szenario passierte lief es in meinem Kopf ab. Die Bremsen versagten, aufgrund einer Kombination aus schlechter Spannung ihrer selbst, der regennassen Felgen, meiner höchstwahrscheinlich zu hohen Geschwindigkeit und wahrscheinlich dem Umstand dass mein Gehirn die Stunden zuvor im Sekundentakt von null auf hundert gepeitscht wurde. Trotz allem landete ich unversehrt, nach mehrsekündigem senkrechten Stand meines Rades auf dem Vorderreifen, an unserem Ziel, einer nach außen offenen Niesche im Tunnel, welche wir beim bergauffahren erspäht hatten.
Eine unscheinbare und unsichtbare, hinterlistige und feige Betonstufe befand sich nämlich zwischen Straße und unsere schützenden Höhle, gefolgt von einem 10cm hohen metallischen “Ding” das in dem Boden betoniert war – welches ich mit vollem Schwung übernommen hatte. Aber es war mir nichts passiert, das stimmte mich froh und ließ mich diesen Moment wieder vergessen. Auf meinen Freund, das Fahrrad hatte ich in dem Augenblick total vergessen.

10 Minuten später ähnelte diese kleine Höhle meinem Zimmer, überall stand Zeugs herum, unsere nassen Sachen hängten wir über unsere Fahrräder und an die Felswände, und dann kuschelten wir uns noch 2-3 Stündlein auf den Schotterboden in unsere Schlafsäcke und versuchten nocheinmal ein bisschen wegzudösen – was auch großteils funktionierte.

Aufgeweckt wurden wir von den ersten Sonnenstrahlen, die nach dem Gewitter aus den Wolken hervorbrachen.

Ein neuer Tag – neues Glück. 4 Kehren sind noch zu bewältigen, dann sind wir auf dem Passo del Predil. 1156 Meter geschafft. Die Füße schmerzen.

Oben auf dem Pass stehen die alten Grenzfesten aus dem Jugoslawiuschen Krieg. Alte Ruinen. Mit Einschusslöchern, mit Stacheldrahtzaun umrandet und verrosteten zerfallenen Fensterrahmen. Die eine sieht aus wie eine Burg, allerdings kann man die moderne Gibelarchitektur erkennen. Wenn man bedenkt, wie “jung” diese Gebäude sind beginnt man darüber nachzudenken, was sie wohl alles er- und überlebt haben.

Aufgrund längerer unbegründeter Schreibpause und damit eingehendem Erinnerungsverlust folgt der Rest der Reise in einer leiter weniger blumigen Formulierung.

Nach dem wunderschönen Predil-Pass beginnt das Herz eines Abenteurers zu schlagen – geschlagene 20km geht es nämlich bergab. Kurvig. Die Straße lässt zu wünschen übrig.
Aber kein Problem, immerhin hat es aufgelockert und eine trügerische Morgensonne lässt perfektes Radfahwetter vermuten.
Schön, denn die Vermutung wurde nicht bestätigt – im Gegenteil! Knappe 8km weiter im Süden – wir sind gerade dabei ein Geschäft zu erspähen um uns die hungrigen Mägen vollzuschlagen – beginnt es zu tröpfeln, allerdings war der Hunger so groß, dass uns dies egal war. Also rein ins Geschäft, und nach Lust (die war groß) und Laune (die war gut) eingekauft. Ziemlich viel.

Dann wurde geschlemmt! =)
Und Geraucht – den Luxus gab es damals noch!

Mit vollem Bauch weiter gen Süden. Das nieseln war zwischendurch immer wieder ein ausgewachsener Regen und dementsprechend hilfreich waren die Sonnenbrillen, welche wir mit hatten. Ein paar Rauchpausen wenn die sicht durch die Wassermassen schlecht wurde haben wir uns allerdings gegönnt.

Viele (ich bilde mir ein mich zu erinnern es seien 8 gewesen) Stunden später erreichen wir die Italienische Grenze in Nova Gorica, einen Kaffee in einer Tankstelle und ein paar weitere monsunartige Regengüsse später taucht vor uns Monfalcon und das Meer auf.

Monfalcone
Von den Klippen vor Triest

Der Fahrtwind hat den Großteil unserer Kleidung getrocknet und unsere Motivation schwebt im siebten Himmel. Ich sehe zum ersten Mal das Meer bewusst. Mit 5 Jahren war ich schon mal am Meer, aber daran habe ich beinahe keine Erinnerungen.

Ihr wisst ja wie es im Himmel ist. Da reden alle nur übers Meer!

Alsbald beginnen unsere Nerven jedoch zu jucken, immerhin sind wir nun – es ist bereits 22:30 und tiefeste Nacht – mitten in Triest, einer, nebenbei bemerkt, hässlichen Industriestadt, es stinkt nach Fisch, und die günstigste Pension die wir gefunden hatten war um 75€ pro Nase.

Danke.

Da haben wir doch freundlich abgeschlagen.

Schon mal nach 2h Schlaf 12h mit dem Fahrrad gefahren? Der effekt ist sehr interssant, man wirt ein bisschen lethargisch, unfähig zu denken und zu kombinieren. Nachdem wir 3 Stunden vergeblich versucht hatten einen Kaffee zu trinken, jedoch einfach im Tunnelblick in der Stadt herumgeirrt sind und dies dementsprechend nicht geschafft hatten beschlossen wir mit brennenden Füßen aus Triest zu verschwinden um etwas weiter südlich an der Küste zu nächtigen. Es war mittlerweile Mitternacht. Und wir kamen ziemlich genau 800 Meter. Dann bauten wir in einem Park neben einer Autobahnauffahrt mitten in Triest unsere Hängematten auf und ließen uns treiben. Nun gabs endlich ein paar Stunden dringend benötigten Schlafes.

Nach dem Aufstehen machten wir einfach einen auf Assi und flackten uns – nach dem wir die schienengebundene Heimreise abgeklärt hatten, an den Kai.

Ein paar im Schlafrausch verbrachte Stunden – und ich mit einem ansehbaren Sonnenbrand – später gabs dann noch einen besuch beim DESPAR am Bahnhof. Lecker. Nektarinen. Joghurt. Mehr oder geplanter einzukaufen schafften wir einfach nicht.

Heimfahrt im Zug.
Unspektakulär und nicht erwähnenswert.

Als wir in Travisio ankamen – REGNETE es zufälliger weise wieder. Und nicht allzuschwach.
Was solls, auf die Räder geschwungen, die Pedale getreten, bum-zack, wir sind in Arnoldstein, schnell in den letzten Zug einst…. ups. Da fährt er. Nix mit letztem Zug.
Es regnet. Es schüttet! Es wird gerade dunkel. Was solls, Gott sei dank gibt es im ganzen Raum Villach genau ein Bus-Taxi. Es ist nicht erreichbar!
Um 30€ pro Mann und Nase gehts dann – jeder im eigenen Kombi, die nassen dreckigen Räder auf den schönen Ledersitzen – nach Villach.
Hier hat unser Glück wieder zugeschlagen, wir erwischen einen Zug nach Spittal, und können überglücklich bei der allerliebsten Judith unterkommen. Glaub ich. Ich weiß leider nichtmehr wann, aber wir fuhren (die Strecke ist ca. die gleiche) über Salzburg nach Wien. Mit dem Zug.

Fazit?

©Essl Noah, Juni 2011

Advertisements