SONY DSCDie Pension befindet sich direkt ums Eck. Bettfertig schlafen wir gemütlich ein und wachen mit dem Wecker um 8 auf. Kurz geduscht, packen und ohne „good by“ raus in Richtung Kloster wo Nadja sich einen Pilgerinnenpass holt. Vor der Kirche auf einer Treppe in der Sonne Frühstücken wir Brot mit Käse und dann verabschiedet sie sich. Ich bleibe noch sitzen, genieße das Gefühl einer abgeschlossenen Mission und spatziere von dannen. Eine Farmacia mit Kontaktlinsenflüssigkeit und ein Supermarkt mit Brot und Käse später zieh ich mir von meiner letzten Kohle einen Zimtcappuchino, schreibe dies hier und beschließe, mich aus der Stadt zu machen. Nachdem ich das Hitchwiki durchkämmt hatte fuhr ich mit dem Zug nach San Frutuoso und knüpfte mir während dessen ein Armband.

Ich muss gestehen, dass ich gerade in Santiago de Compostello nach ca. 7 Bier in einem Punkbeisl schreibe. (ziemlich besoffen, das wollt ich immer schon mal versuchen, drum schreib ich – alles was ich noch lesen kann – 1:1 aus meiner Mitschrift ab)

Also dem komischen Ort suchte ich die Autobahn, kletterte gut versteckt über den Zaun und schrieb mir ein Schild mit SPAIN. Eine Familie aus Andorra nahm mich mit, das zweite Auto aus Andorra das ich bisher sah. Bis kurz vor Vigo. Dort sprach ich kurz mit einem Deutschen Camper der mich auch bis Santiago mitnahm. Ich erwartete Pilger und Pilgerinnen, aber es war eher voll mit Touristen. So zog ich durch die Strassen auf der Suche nach einer Schlafgelegenheit unter 20€ und als ich nicht fündig wurde, beschloss ich, auf der Strasse zu pennen und die 20€ lieber zu verfressen und zu versaufen. Ein Menü um 11€ plus Kaffee und 7 Bier später sitz ich nun in dem Punkbeisl, hab schon 2 Gruppen angesprochen ob ich bei ihnen pSONY DSCennen kann aber immer eine Absage bekommen also bestell ich weiterhin Bier und versuch mit Leuten in Kontakt zu kommen. Hier gibt es anscheinend eine sehr aktive Punk Szene aber die Leute sind halt nicht auf Community aus sondern eher auf saufen. Interessanterweise gibt es auch 50+ Leute die mit dem Irokesenkellner zusammen trinken und Spass haben. Ich mag die Atmosphäre und saufe wie ein Loch bzw. als ob ich 15 wär zu Misfits, Rancid und Ramones, den alten PM’s und spanischen Bands die ich nicht kenne. Nach einer grossen Menge an Bier merke ich, dass ein Pissoir in Bezug auf „auf Porzellan pissenvoll der Fortschritt ist, denn die Kreise die ich mit meinem Strahl ziehe sind echt nicht mehr rund. BTW fand ich echt gut, dass viel von Tim Armstrong lief. Sehr Bueno! Dann traf ich einen der mir einen Schlafplatz anbot, aber ich war so betrunken, dass ich mit ein paar anderen Leuten mitging und in einem anderen Lokal landete, also war wieder obdachlos, jetzt weiss ich, wie sich das anfühlt. Voll betrunken auf der Strasse sitzen und nicht wissen wo man schläft. Das was mit einfällt ist, nüchtern zu werden und dann jemanden anzuquatschen zwecks Schlafplatz. Aber ich bin ECHT betrunken. Mal schaun was passiert.

(Betrunkener Noah Ende)

SONY DSCIch glaube ich bin direkt zum Hauptplatz gegangen, die Erinnerungen sind schwummrig. Dort lagen unter den Bögen des Ratshauses schon 2 Leute also hielt ich es für wahrscheinlich, dass schlafen hier geduldet wird und legte mich dazu. Mitten in der Nacht wachte ich mal auf zum kotzen, direkt neben den Schlafsack 1 Meter neben die Matte und schlief weiter. Soviel zu Geld für Essen und Bier ausgeben aber nicht für Schlafplatz. So hatte ich Geld zum Kotzen ausgegeben. Antikapitalista! Das zweite Mal weckte mich das Pfauchen der Strassenputzmaschine die den Platz abfuhr und bevor ich ganz durchnässt sein wollte packte ich meine Sachen, putzte am Öffi die Zähne und zog mir im nächsten Cafe ein Cappuchino rein. Die Zigarete dazu brachte mich fast wieder zum Übergeben weil sie meinen Körper so stark an den Rausch erinnerte. Ich suchte mir das Hitchwiki, bekam dort die Info, dass es hart sein kann wegzukommen und steuerte noch etwas beschädigt aus der Stadt. Am Weg zur Autobahn kamen mir hunderte Pilger*Innen entgegen, alleine, in kleinen Gruppen und sogar ein singendes Team aus ca. 30 Leuten das mich an Fussballfans erinnerte. Dann stand ich anfangs ohne und später mit NORTE und OVIEDU Schildern bis in den frühen Nachmittag, keine Sau blieb stehen. Voll lädiert ging ich einfach in den nächsten Park, legte mich in den Schatten eines Baumes und schlief nochmal ein paar Stunden. Der zweite Versuch war auch fruchtlos, erst am Abend gegen 8 nahmen mich zwei Pilger mit nach Norden, bis an die Küste, nach Cedeira. Sie sagten, dass dort viel gesurft wird und viele Touristen sind, so versprach ich mir gut weiter zu kommen. Im Ort lief eine Kirmess auf Hochtouren, SONY DSCBühnen mit Bands, haufenweise trinkende Jugendliche an der Strandpromenade und Gokartbahn und Zuckerwatte und Ringelspiel. Dazu dröhnende Musik. Morgen ist ein Feiertag wurde mir gesagt. Ich ass eine Pizza in einer Pizzaria und durchqueerte den Kirtag auf der Suche nach einem Schlafplatz im angelegenen Park am Strand. Es war eine angenehme Nacht. Kaum Feuchtigkeit und viele Schnecken, die mich morgends auf meinem Schlafplatz begrüßten. Ein Feuerwerk aus Kanonenschüssen war der Start in den neuen Tag.

Ein paar Worte zu Nordspanien: Hier ist alles Grün. Selbst im Hochsommer sind die Temperaturen durch den Wind und die Wolken vom Atlantik kaum über 25°C. Die Menschen wirken auch anderst, aber ich kann den Unterschied nicht wirklich fassen. Es ist wie bei uns, sie sind etwas verschlossener aber dazu mischt sich die Spanische Attitüde, ich bemerke eine breit akzeptierte Punkbewegung und eine gewisse Ruhe in den Menschen. Alles läuft langsam und selbstverständlich. Ein buntes Strassenleben ist genauso präsent wie in Südspanien, trotz der Kälte sitzen die Leute bis in die Nacht auf der Strasse und leben dort ihr soziales Netz. Ich bin schon gespannt, was mir der Rest der Nortküste zu bieten hat.

Ich jumpe. Auf der Bundesstrasse. SONY DSCVon stone zu stone, bzw. von Auto zu Auto. Ein mal 30km und 2-3 mal 10km Stück für Stück zum Glück. Irgendwann lande ich am Playa de Catedralis, einem weltbekannten Strand der von 10.000 Leuten pro Tag besucht wird. Hier fällt eine 5-10 Meter Klippe runter auf den Strand der durchzogen ist von Steinkorridoren und Höhlen. Das Wasser ist Badewannenwarm und ich lasse meine Füße umspülen und genieße. Dann gibt’s Dosenfisch mit Brot und Käse. Ein GIJON-Schild lässt einen französoischen Bus stehenbleiben. Leider hab ich seinen Namen vergessen. Der Typ aus Vigo ist mit seinen 3 und 5 Jahren alten Töchtern auf Spanienurlaub und fährt nach Santander. Perfekt für mich. Am Strand bei Llanes essen wir gemeinsam mit Ausblick auf das Meer und dann setzt er mich bei Possada ab wo ich mir im Dunkeln, es ist schon 11 abends, unter einer riesigen Feige hinter einem baufälligen Haus ein regengeschütztes Plätzchen such. Der Wecker holt mich um 8 aus den Federn aber ich drück ihn ab. Bis ich ein unregelmäßiges Klopfen auf den Blättern über mir höre. Regen. SONY DSCGut geschützt vom Baum bekomme ich nichts ab, bin aber umso schneller beim einpacken. Dann suche ich eine Trafik, organisiere mir eine Karte, mehr schlecht als recht aber immerhin mit einem Teil der Strecke durch die Picos de Europa drauf und lasse mich in einem Kaffee nieder. Ich habe noch 35km vor mir aber das Wetter spielt noch nicht so ganz mit. Schon seit Tagen hängen Wolken in der Bergen und ich vermute, die bleiben da auch noch ein bisschen. Ein Auto mit Familie aus Madrid schnappt mich auf. Sie gehen auch nach Arenas de Carebrales. Dort soll es nämlich einen einzigartigen Blauschimmelkäse geben. Da der Typ in der Kleinfamilie irgendwas mit Pilzen arbeitet ist er irgendwie speziell an dem Schimmelpilz interessiert. Sie freuen sich, dass ich mache was ich mache und die Frau sagt, dass früher viel Autogestoppt wurde in Spanien, dass die Leute aber einfach verschlossener und ängstlicher geworden sind. Das hübsche Mädchen, welches die beiden begleitet wollte auch schon immer sowas machen, leider hab ich es verpasst, ihr meine Kontaktdaten zu geben. So spaziere ich dann durch Arenas, kaufe mir im Supermarkt einen dieser Käse, sicher nicht den erstklassigsten aber was will man den als Wandermann. Ein Kaffee und ein Skype Versuch später watschle ich in die Schlucht durch die es nach Poncebos geht, ca. 6 km, von wo aus entweder eine U-Bahn oder ein voll geiler Pfad durch die fette Schlucht nach Bulnes führt. Die ersten 6 km mach ich per autostop, aber den Weg durch die Schlucht lass ich mir nicht entgehen. Zuerst nehm ich mir vor langsam zu gehen, keinen zu überholen oder so, damit ich bei Kräften bleibe. Da die aber alle 10 Minuten stehen bleiben und Pause machen die da hochgehen wird es nix aus meinem Vorsatz undich presche hochmotiviert bergauf. In Bulnes, bzw am Rande des Dorfes wie ich später aus der Vogelperspektive sehen kann, jausne ich mal ordentlich nachdem No-Future Prinzip. Eine Dose Fisch, die letzte Karotte, den letzten Emmentaler und Brot. Weiter geht’s. Ich finde eine Tafel die sagt, dass der Pfad ausdrücklich nur für erfahrene und bestens ausgerüstete Bergsteiger*Innen ist und als Qualifikation dafür nehmen sie 8,7km und 1870hm Steigung. Ich find das eigentlich ganz ok für eine schöne Wanderung, also geht’s weiter.

  

Es ist ca. 14:30, ich habe ein drittel der Höhe und Strecke ja schon hinter mir, da die von Poncebos aus messen. Durch ein sanftes, grünes Tal geht’s hindurch, immer wieder verwundert mich ein Hintergrundgeräusch. Als ob 100.000 Goldperlen durch ein Glockenspiel fallen würden. Also ob irgendwie 500 Engel sich an Seilen mit Glocken dran erhängt hätten. Es war wunderschön, und je weiter ich kam, desto lauter wurde das Geräusch und desto klarer mir der Ursprung. Eine auf einem Felsblock trohnende Ziege die mich anstarrte gab mir gewissheit. Schritt für Schritt wagte ich mich in ihr harmonischen klang durchklungenesTerritorium hinein. In der Mitte der Herde stoppte ich, drehte mir eine und zückte meine Bambusflöte. Ich begriff auch warum sich die etwa 50 Ziegen wie 1000 anhörten. Das Tal war so geschnitten, dass jeder Klang 3 Mal mit wundervoll klarem Echo wiederholt wurde. Dies machte das Glockenspiel perfekt. Ich legte mich einfach auf den Boden und genoss, zwischendurch trällerte ich motivierte Melodien auf der Flöte. Dann war aber Zeit weiterzugehen, der steile Part der Tour kam noch auf mich zu. Da spürte ich die Steigung dann auf einmal und keuchte hoch bis auf den ersten Sattel wo ich mir die Aussicht gab. Über mir, auf den nächsten hundert Höhenmetern erwartete mich der Nebel und ich erwartete, noch stundenlang durch ihn zum Refugio zu wandern. Aber schon 300hm später war ich draussen, purer Sonnenschein deckte senkrechte, glatte hunderte Meter hohe Kalkwände ein. Hinter der nächsten Kurve versteckte sich schon der erste Blick auf die Türme. Die ganzen Picos de Europa bestehen aus riesigen Kalkstein-Türmen, zig Quadratkilometer Kletterfläche, viel im alpinen Bereich und auf traumhaftem Fels, zerfurcht, kompakt, perfekter Halt auf Reibung. Aber weiter. Am weg zum Refugio sagten mir alle bei denen es ins Gespräch kam, dass kein Platz mehr im Schlaflager sei, das verlängerte Wochenende und das gute Wetter für morgen waren einfach eine traum Kombi. So wars auch. Noch dazu ein kleines Refugio, sie hatte nicht mal warmes Essen – zumindest nicht für mich – und ich durfte auch nicht auf dem Boden des riesigen Essraumes schlafen. Assis. Also kaufte ich mir für stolze 2,50€ ein 0,3l Bier und stürzte meinen Frust runter. Dann baute ich aus meiner Emergency Biwaksack ein Dach wobei ich ihm Löcher zufügte und speiste dann nochmal bevor ich mich früh ins Bett haute. Ich wachte auch öfter auf in der Nacht, keine Ahnung warum. Auf jeden Fall drückte ich den in bester Erwartung auf 4h gestellten Wecker ab und pennte noch bis 9. Dann wurde flott zusammengepackt und losgeloofen. Die Markierungen waren ab hier vorbei und ein zum Teil ausgetretener Pfad mit Seinmännchen der spanischen Art – 10cm hoch aus Schotter in einem Schotterfeld in 150 Metern Entfernung – waren der einzige Hinweis. Da scheinbar die Pfade wie die spanische Autobahn oft eine Stunde lang parallel verlaufen und dann ohne Markierung splitten ist Aufmerksamkeit immer angebracht. Auch weil Noah den tollen Plan hat nicht den bergauf-bergab Pfad zu nehmen sondern die Direttissima über wunderschöne, grad noch nicht senkrechte, unberührte Kalkwände mit dem Ergebnis, dass man oben einen Standplatz findet und alle anderen Seiten 30 Meter senkrecht – und mit riesen Rucksack – unkletterbar sind. Also die von mir auf 4 bewertete Tour rückwärts bergab – vielen Dank an Hanwag für die perfekten Sohlen sowie den perfekten Schnitt für diese Art von Touren! – um auf anderen Umwegen zum Torrecerredo zu kommen, dem höchsten Gipfel der Tour. Unterwegs hab ich Rufkontakt zu einer 2er Gruppe die grad auf den Gipfel klettern und fragen, ob grad jemand absteigt, da sie es nicht sehen können. Nach einem verneinen meinerseits teilen sie mir – während ich noch oben auf dem Turm sitz den ich erklommen hab – mit, dass ich auf diesem Weg nicht zum Gipfel komme und dass es sehr gefährlich ist was ich hier mache, so free solo in den Wänden rumzuturnen. Ich verspreche ihnen, dass es mir Spass macht und ich es auf meine eigenen Verantwortung mache.

Endlich am Gipfel angekommen quatsch ich mit ein paar Leuten und lasse mir sagen, dass der von mir gewählte Pfad zur Cabana Veronika „very-very-com pli-cated“ sei und ich den nicht nehmen sollte. Ich klettere den Torre also ab und schlag die Ratschläge der Menschen, welche diese Berge gut kennen in den Wind. Immer wieder Wegen folgend, immer wieder im freien Gelände ohnen Plan wohin versuche ich – immer maximal +/- 150 hm – an der Bergflanke entlang zu kommen. Es ging bis zur Hälfte ziemlich gut, ein paar Schneefelder die ich nachdem das erste nicht so toll zu begehen war umrundete und ein paar nicht erwähnenswerte Felsstufen auf und ab. Immer wieder tauchten aus dem nichts Steinmännchen auf, wahrscheinlich geht hier ein alter, unbekannterer Weg. Die zweite Hälfte war um einiges spannender. Typisch für spanische Berge lauf ich also auf einem Weg entlang der ungefähr die Richtung beschieb in welche ich musste, es waren auch Steinmännchen die allerdings immer weniger und kleiner wurden. Auch der Pfad war eigentlich nicht mehr zu erkennen. Dann stand ich vor einem Abgrund. Nicht ganz senkrecht, aber dafür irgendeine brüchige Schicht die kaum mehr an Kalk erinnerte machte jedes Klettern lebensgefährlich. Es war eine Art Rinne, etwa 20 Meter breit, die 50 Meter weiter unten in einem genauso steilen Schotterhang endete der etwa 200 Meter weit nach unten ging. Nicht unbedingt das, wohin man runter fallen möchte.Die Beschaffenheit war ein Konglomerat aus Quarzkristallen, etwa in der Größe eines 1cm Würfels. Diese Kristall waren lose neben einander gewachsen und der grossteil davon war angebrochen uder durch fallende Steine zertrümmert. Wie leicht zusammen geklebter Schotter. Überall waren kleine 1cm Flächen die ich als Griff benutzen konnte, die allerginds bei kleinem Rütteln einfach aus der Wand brachen. Ich wollte nicht zurück, also stieg ich bich weiter nach oben wo die Rinne am dünnsten war. Auf wenigen Zentimeter langen Leisten schob ich mich, Sekunde um Sekunde um mein Leben bangend zitternd in die Felswand. In Zeitlupe, jeden Tritt drei mal Testend quälte ich mich voran. Die Finger umklammerten kleine Quarzkristalle die auf Reibung am Felsen hielten, die Füße suchten sich jeden kleinsten Fleck auf dem Halt gefunden werden konnte. Keine 10 Minunten später berührte ich am ganzen Körper vibrierend die gegenüberliegende Felswand. Fels wand ist ein guter Begriff, es war eine fast senkrechte Wand aus großen Brocken, die durch ihr Gewicht aneinandergepresst kompakt waren und meinen Federleichten Körper mühelos trugen. Zu mindest im Vergleich zu dem mir endlos vorkommenden Schrecken den ich gerade durchstiegen hatte. Auf dieser Seite der Rinne waren akzeptable Tritte und so ging es weiter hinunter, 20 Meter späer hatte ich wieder richtig griffigen Kalk und beschloss, die letzte halbe Stunde auszublenden um konzentriert weiter zu kommen. Ich merkte schon die Schwäche, ein paar Fehltritte hier und dar, ermüdung der Muskeln und Gelenke nach 7h mix klettern und wandern. Keine Extratouren mehr, das war mir klar, keine kletterei mehr. Ab jetzt nur noch normale Wege. Ium nächsten Tal das ich wieder seitlich an der Bergflanke umrundete hatte ich auch wieder einen angenehmen Weg. Ich sah ihn etwa 15 Meter über der Rinne die ich durchqueert hatte rauskommen und war nicht froh, dass ich nicht einfach weiter hoch geklettert war. Aber getan ist getan. Unter riesigen Felswänden durch über Schneefelder mit Trittspuren und schliesslich auf den letzten Aufstieg. Vor mir schimmerte silbern die Cabana Veronika auf einer Felserhebung. Alle Sorgen waren vergessen. SONY DSCEs war etwa 17 Uhr als ich ankam. In der Biwakschachtel fand ich ein kleines Restaurant vor. Gasherd, Gemüse, Gewürze, Wurst und Käse, Dosenfutter, Trockennudeln, Knoblauch und Schokokekse. Bücher über die Kletterrouten und allerhand Krimskrams. Es ruch nach einer heftigen Bierdurchzechten Nacht aber es war niemand da. Das Restaurant ging natürlich auf Kosten der Bettenzahl, gerade mal 7 Leute passten mit Mühe und Not in das 4-Stöckige Bett. In den Alpen bekommt man Hütten dieser Grösse mit 12-20 Schlafplätzen präsentiert. Ein Wanderer, der auftauchte, fragte ob Carlos da sei, anscheinend sowas wie der Biwakschachtelwart. Carlos tauchte jedoch den ganzen Nachmittag und Abend sowie die Nacht nicht auf. Dafür Stefan aus Ungarn der den nördlichen Jakobsweg ging, gerade auf einem „die Berge erforschen“-Abstecher war und mir nette, deutschsprachige Unterhaltung bot sowie den Rest seines Essens mit mir teilte wofür ich ihm wiederum die Hälfte meines Wassers überließ. Dann tauchte noch eine 6er Gruppe Alpinkletterer auf die den Weg bis zum grossen Refugio nicht mehr machen wollten und so ging ein guter Teil des Abends dafür drauf uns gut und lustig zu unterhalten sowie die Stapelung der Körper in den Betten zu planen. Ich beschloss, auf meiner Matte am Boden zu pennen, sicher weitaus gemütlicher als zu dritt in der kleinen Koje. SONY DSCSo verging eine ruhige Nacht. Morgends um 7 schrie mein Wecker „habt acht“ und wir purzelten aus den Federn. Ein alter Kaffee der auf dem Gasherd stand wurde mein Frühstück und als die 6 das Lager verliessen setzte ich mich in die aufgehende Sonne und spielte mit meiner Flöte ein paar Töne für den Wind. Dies lockte einige Spatzen an die sich zwitschernd auf das für sie ausgeschüttete Futter sturztenund mich bei meinem Lied begleiteten. Da Wind und Wolken nicht lange auf sich warten liessen packte ich , das Ziel Wien im Kopf und im Herzen, meine Sachen und beging meinen Heimweg. Danke Spanien. Danke Berge. Danke Zufall. Danke an alle liebenswerten Menschen, die mich begleiteten. Danke anmeinen Körper, der mich mit grenzenloser Energie durch die Welt trägt!

Danke Leo, Danke Sarah, Danke Mel und Charls, Danke Slavek, Danke Chris, Danke Hiday, Niki und Layah, Danke Ilona, Danke Nadja, Danke Cesar, Danke Stefan. Für die Bereicherung meines Bewusstseins. Für die Begleitung auf meinem Weg.

Hier endete für mich die Reise. Die 3 Bergtouren, die ich mir vorgenommen hatte waren getan, ich musste eigentlich nur mehr nach Hause. Wenig überraschend wurde dieses nach hause kommen für mich fast spannender als der Rest der Tour. Auf jeden Fall habe ich noch einige Seiten dazu geschrieben und die will ich nicht geheim halten.

Epilog

Dann laufe ich los. Bergab. Zuerst noch auf dem alten Gletscherbett, dann durch eine sehr enge wahnsinnig steile SONY DSCSchlucht neben der Seilbahn teilweise versichert hinunter. Dort wo der Pfad zu einer Wanderung wird finde ich noch eine Quelle, fülle alle Wasserbehälter und merke beim Weiterlaufen wieviel Gewicht das eigentlich ist. Ich werde immer schneller. Als mich ein Bergläufer überholt beginne ich vorsichtig zu joggen, ca. 15 Minuten bis ganz unten ins Tal. Dort ein Kaffee, ca. 1h warten dann komme ich ein paar Kilometer. Stück für Stück geht’s aus dem Tal bis mich in Potes ein Bärenwächter bis nach Bilbao ins Zentrum mitnimmt. Der Beschluss dort in einem Hostel zu pennen wird über Bord geworfen als ich die Preise sehe. Ohne Reservierung 40€+ pro Nacht. Also das Hitchwiki aufgeklappt, mit dem Bus an die nächste Autobahn und mit einem fetten D Schild für Dschörmanie und einem Kaffee rasten.

Ein weißer VW-Bus fährt vor. Ich traue meinen Augen kaum als ich das große W auf der Nummerntafel sehe. Felix und Babsi fahren nach Linz. Sie haben über BlaBlaCar Rose eingepackt die aus UK kommt und bis nach Frankreich mitfährt wo eine mit Surfboard bis München einsteigt. Sie wollen, dass ich mich am Sprit beteilige und wir einigen uns auf 40€. SONY DSCDafür habe ich eine Küche, coole Hippies die politische Nullen sind und sie haben eine fette Luftmatratze mit auf der bis zu 2 Personen schlafen können. Allerdings geht’s sehr langsam voran. Durch Frankreich auf Regionalstrassen und erst am nächsten Abend weiter. Aber – Why not? I don’t care. Wir stoppen auf einer Parke direkt neben der Brandung die wir nachts noch genießen und dann hau ich mich mit Babsi auf die Matratze während Felix und Rose das Innere vorziehen. Die Nacht schlafe ich gut. Eine Fließdecke zum Schutz vor Feuchtigkeit ist verantwortlich dafür, dass mir der leichte Nieselregen in der Früh richtig Spaß macht. Ich bin als erster wach, erkunde die Gegend ein bisschen, mache Liegestütz, sonne mich und schnappe mir dann Rose, die aus dem Bus klettert und geh mit ihr schwimmen. Dann gibt’s Orangen und Pasta vom Vortag und die Reise in Richtung Frankreich kann beginnen. Durch ein ziemliches Straßenchaos an den spanisch-französischen Küstenorten vorbei tuckern wir in Richtung Bayonne.  Dort holen wir Nina aus Bayern ab die dort schon seit 3h wartet. Sie fährt via BlaBlaCar mit. Rose hat uns bei ihrem Dad eine Unterkunft organisiert. Spät in der Nacht tauchen wir da auf. Julius und Joelle sitzen noch bei einem Glas Wein auf der Terasse und empfangen uns herzlich. SONY DSCEin Kaffee und Tee wird aufgesetzt und dann wird geplaudert. Das Haus ist zum Teil 200 Jahre alt und der Garten rundherum riesig, alles zusammen total urig. Ich entschließe mich spontan da zu bleiben und nicht mit den Linzern mitzufahren. 15€ Spritgeld lasse ich ihnen im Bus und meine Schuhe, zweiteres ungewollt. In der Früh verabschieden sie sich und machen sich auf den Weg, sie haben 20h Fahrt vor sich, sicher keine so angenehme Reise. Ich bleibe, schlafe ein bisschen länger und setzt mich dann zur Familie an den Frühstückstisch. Dort sitzt auch Rose’s Bruder Alex, der am Vorabend aus England eingeflogen war und schon schlief als wir ankamen. Bald wird Lunch zubereitet, wieder auf der Terasse gegessen und dann checken sich Rose und ich eine Mitfahrgelegenheit nach Aurrilac wo von Mittwoch bis Samstag ein Straßenkunstfest steigt. Wir reparieren noch gemeinsam 3 morsche Bretter der Terasse, dann spiele ich eine Stunde mit Papillon, dem Hund der Schmetterling heißt. Der Plan ist mit Alex zu einem Freund zu fahren, dort zu grillen und zu pennen und dann morgen nach Perigeux zum Flughafen mitzufahren wo er seine Freundin holt. Von dort hätten wir morgends eine Mitfahrgelegenheit bis Aurillac um 14€ pro Nase und so hoffen wir auf positive Rückmeldung. Ich kann noch duschen und Socken plus Shirt waschen und ein bisschen durch den Garten schlendern und das Grundstück bewundern. Bei Pierre angekommen heizen wir gleich ein Feuer an, bewundern das eine Woche alte Baby der Familie und die Nähteile die Marion macht und stoßen uns ein Bier nach dem anderen runter. SONY DSCDann wird gegrillt, der erste Wein geleert und dann gegessen und der zweite Wein geleert. Dann kommt so richtig französisch Blauschimmelhartkäse und Baguette auf den Tisch um dem 3. Wein eine gute Basis zu geben. Als Wein alle ist gibt’s französische Cocktails, Pasties ist irgendwas mit Anisschnaps, und Rum+Zitrone+irgendwas das ich vergessen habe. Voll panniert steigen wir ins Bett mit dem Plan morgen früh rauszukommen – no chance natürlich. Also wieder Mal am Nachmittag los, die 3h Fahrt nach Aurillac werden sicher ein Kinderspiel. Siehe da, sie sind es, da uns ein liebes Mädl mitnimmt, ca. die Hälfte der Strecke, da ihr Vater, der kurz vorher verstorben war auch durch ganz Europa getrampt war. Dannach finden wir ein Boom-Car. Vollgestopft mit fetten Trance-Beats steigen wir direkt in Aurillac am Campingplatz aus und freun uns. Es wird direkt zum Supermarkt gestartet und mal für jeden ein Sixer und Food eingepackt. Dann geht’s los ins Festivalgetümmel. 10.000 oder mehr Leute singen und tanzen durch die Straßen. Zuerst stoppen wir bei zwei Musketieren die einen Schaukampf mit Säbeln liefern und das Publikum verarschen. Ich verstehe natürlich kein Wort und nach dem wir unser Essen verschlungen haben geht’s weiter. Ein Kontrabassspieler mit einer Tänzerin die sich dämonisch am Boden räkelt und wie besessen durch die Welt fetzt bannen unseren Blick. Am Höhepunkt spielt der Musikant chaotische Töne in seinen Looper und lässt den Kontrabass fallen um eine kleine Akrobatiknummer mit der Besessenen hinzulegen. Großer Applaus. Weiter geht’s. Das Festival, wo wir 3 Tage verbringen – oder 4? – ist so bunt gemischt und voll mit coolen Erlebnissen, dass ich die Reihenfolge vergessen habe. Vielleicht liegts auch an Bier, Rum, Haschcookies und MDMA die mir die Zeit raubten.

Wir haben eine bombastische Feuershow, Breakdancer der Superlative, sau geile Street-Dance Einlagen mit Rap-Topping gesehen, ein riesengroßes Strassentheater mit Akrobatik, Tanz, Slackline und Showeinlagen welches sich um Genosse Stalin drehte und – trotz oder vor allem wegen der fremden Sprache – so starke Emotionen transportierte, dass ich zu weinen begann. W ir sahen hunderte Künstler*Innen die vom Devilstick über Pois, Hulahoop und Glaskugeln so ziemlich alles was die Straße bieten kann untertags in normaler und am Abend in Feuerausführung beherrschten. Eine Nacht war ich so Trippy, dass ich durchgehend tanzte und Show machte, vor allem mit den Freunden von Rose – Dylan, Will und Nina und B – alles Engländer mit denen wir uns einer Wagentruppe am Camping angeschlossen hatten wo wir auch die 2 oder 3 Nächte verbra(u)chten. Am letzten Tag war ich voll im Arsch, hauptsächlich körperlich aber auch schon braindead. Also ging ich früh schlafen (also schon um 5h morgends) und bereitete mich seelisch auf den Abschied von Rose vor. Ich vermisse sie von dem Moment an wo wir uns am Bahnhof verabschieden, aber der Tag ist jung, drum stell ich mich mit etwa 20 anderen an die Strasse zum wegtrampen. Auf meinem Schild steht ANYWHERE – und das ist auch mein Plan. Irgendwie Richtung Heimat (wo ist das?). Also Nordost angepeilt bekomm ich einen Dreh nach Clermont Ferrand und von dort eine Connection nach Lyon. Bis in die Stadt und Lyon ist sehr groß. Planlos steh ich also am Hauptbahnhof und versuche herauszufinden wie ich weiterkomme. Das Hitchwiki hilft mir nicht wirklich also mach ich mir ein Schild mit A43 – die Autobahn in Richtung Schweiz – und spaziere auf der Hauptstrasse entlang, das Schilt immer schön ausgestreckt. Es ist 00:00h.

Prompt schnappt mich ein Armenier auf und setzt mich mitten auf der Autobahen auf dem Autobahnkreuz einen halben Kilometer vor der Raststation aus. Schockiert von meinem Glück nicht realisiernd in welcher Gefahr ich mich befinde kämpfe ich mich über Leitplanken und durch Büsche und Gräben bis über einen Zaun auf die Tanke. Dort versuch ich noch bis etwa 4h einen Ride aufzuschnappen, bekomme aber nur einen Kaffee vom Tankwart und hau mich deshalb hinter der Tanke im Grünen unter einen Baum. Um halb 10 geht’s mit CH Schild weiter. Ein VW-Bus mit 4 Französ*Innen, allesamt Musiker*Innen, fährt nach Annecy. Zwishendurch picknicken wir am See in Aix-Le -Bains wo wir uns im Steineweitwerfen und Flippern batteln. SONY DSCDann in Annecy hol ich mir im Carrefour Futtereien und lass mich von einem freundlichen Franzosen an die Mautstation am Ende der Stadt fahren. Dort bekomme ich eine Connection bis Genf, check-check Mister Hitchwiki, tell me the way out of town. Die Jungs mit denen ich mitfahre setzen mich direkt an dem Spot ab den ich im Wiki finde und keine 10 Minuten später bleibt – mitten in der Stadt – ein Sattelschlepper durch mein ZH-Schild angeregt hupend stehen. Bis Ölsingen. Wir quatschen über Strassen- bzw. Truckerleben und dann spendiere ich ihm einen Kaffee auf der Tanke wo er mich absetzt. 7,50€ für 2 Kaffee – fuck that. Dann mach ich mir ein A Schild und finde eine Steckdose direkt an der Aussenwand vor der Tanke. Dort esse ich zu Abend und stehe alleine im dunklen Regen.
Doch wenn du denkst es geht nicht mehr, dann kommt auf einmal Lucia daher. Sie fährt immer an die Tanken und Rastplätze um zu sehen, ob wer trampt. Heute findet sie mich und bietet mir auch gleich einen Platz in einem Wohnwagen auf dem Wagenstellplatz des Theaters an wo sie arbeitet. Sie kellnert im Restaurant und es ist grad nicht viel los drum stehen Wägen leer. Das Theater – Karls Kühne Gassenschau – gibt’s seit 30 Jahren, früher fahrend aber seit 4 Jahren stehen sie hier in Olten in einem Steinbruch und sind so bekannt, dass fast jede der ca. 100 Vorstellungen pro Jahr ausverkauft ist. Fabrikk. Wir ziehen uns noch ein Bier rein, dann bekomm ich eine Platzführung, dusche mich und falle glücklich in die Federn. Am morgen gibt’s Käffchen und Brot auf Kosten des Hauses und ich bekomm endlich mein Brain so weit, dass ich Aurillac bis heute niederschreiben kann. Nachdem ich Lucia ein bisschen zur Hand ging beim Requisiten sortieren machte ich mit dem stellvertretenden Leiter des Restaurants das Arrangement, für Kost und Logis ein bisschen in der Küche zu helfen und dann Teller abzucatern. Ausserdem bekam ich so eine Freikarte für das Stück. Dieses dreht sich um eine Schokoladenfabrik die von einem Manager und einem chinesischen Investor im Endeffekt zerlegt und gegen den Willen der Belegschaft nach China abtransportiert wird. Kleine politische und gesellschaftskritische Pointen werden begleitet von einer traumhaften Lichtinszenierung und einem Bühnenbild das ein mechanisches Meisterwerk ist, für das ungeübte Auge mit Feuershow und akrobatischer Action manchmal übertönt. Nach dem Stück schliesse ich DSC_0018DSC_0021Freundschaften mit der Belegschaft, bekomme Bier und „Schokolade“ bis es dann ca. um 4 ins Bettchen geht. Die Atmosphäre und die Gesellschaft der Truppe machen mich neidisch, liebend gerne würd ich hier abhängen, mitarbeiten und leben. Aber die Viennale ist auch gut. Ich will mir noch connections knüpfen um hier einen Job zu bekomen. Am nächsten Morgen duschen, ein bisschen abhängen und Frühstücken, Kaffee mit Schauspielern und dem technischen Leiter quatschen und dann bringt mich Lucia auf die nächste Autobahntanke. Dort verabschiede ich mich mit einer herzlichen Umarmung, dann mit A und D Schild an die Ausfahrt. 2 Mädls bringen mich an eine Tanke vor Zürich und von dort eine deutsche Mutter-Tochter Kombi auf eine Tanke nach Winterthur. Klein Strecken sind fein Strecken, und sie haben zum Ergebnis, dass ich nach einer Minute auf der Tanke einem Wiener Bus begegne der vom Boom (you don’t say) kommt und mich 7 Stunden später am Kardinal Nagl Platz absetzt.

Ich bin in Wien. Ich bereue nichts. Ich denke nicht, dass ich etwas versäumt habe. Alles hat so perfekt zusammengepasst, dass ich auf einmal wieder hier bin. Zuhause? Im Moment ja. Fühlt sich schon ein bisschen danach an.

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