SONY DSCStart in Wien, 10:30h. Noch zum Bergfuchs, dann Huetteldorf, 30 Sekunden mit D Schild und ein Jihadist nimmt mich mit. Bis Linz-Ansfelden. Dort Constantin aus Russland, kommt von Prag und trampt nach Salzburg, fahren gemeinsam bis Mondsee, dort verliere ich ihn aus den Augen. Dann mit Chris bis Rosenheim und von dort mit Don nach Holzhein, kurz vor Muenchen. Es ist wenig los, kaum Menschen die auf die A8 weiterfahren. Ich weiss nicht was ich auf mein Schild schreiben soll aber ich versuchs mit F fuer Frankreich. Ich kaufte mir eine Europakarte. 2 Schweizer nehmen mich mit bis Winterthur. Wir zick-zacken etwas hin und her an der Grenze, da wir einen unbemannten Posten suchen zum Lebensmittel ueber die Grenze schmuggeln. Fleisch, Oel und was weiss ich was sich noch unter dem Zeug im Kofferaum verbarg. Der Fahrer ist 36, ehemaliger Montenegriner, Beifahrer ehemaliger Kosovoalbaner. Fahrer lebt in Steyr und hat schon viel erlebt, in allen moeglichen Berufen gearbeitet, geschieden, ex-Kiffer, hat eine sehr angenehme Auffassung wie der Welt funktionieren soll, Frieden ist bei ihm das hoechste Ziel. Er glaubt an Gott. Der aeltere ist eher still, kann auch nicht so gut Deutsch und ist manchmal etwas verwirrt. Oder auch nervoes, wegen der Grenze.Sie laden mich auf RedBull und Zigaretten ein. In Winterthur schlafe ich in einer Baustelle hinter der Tanke unter dem Vordach des Restaurants, das gerade umgebaut wird. Ich schlafe gut, werde allerdings von Regen geweckt. Das Vordach beschuetzt mich, aber zum weitertrampen wirds schwer. Ich hatte mir eine Kappe gekauft in der Nacht zuvor, ich weiss nicht mehr warum, aber das schien mir ein notwendiges Acessoir und im Nachhinein bin ich sehr froh darueber, denn das hat mich vor viel Sonnenstich geschuetzt. Die Kappe wurde allerdings hin, bevor ich sie einmal auf hatte, aber Nadel und Faden im Pflichtgepaeck machen sie wieder ganz. An der Tanke bleibt hauptsachelich Berufsverkehr stehen, aber vielleicht liegt das auch an der Uhrzeit. Ein Slowake nimmt mich mit bis kurz vor Bern. Es gibt da eine Tanke, dort kann ich dann weiter. Besagte Tanke ist leider gerade abgerissen worden, daneben im Autohof hol ich mir einen Kaffee, dann aber raus in den Regen, kein Unterstand. Ein Tscheche, seit 6 Jahren in der Schweiz ist per Anhalter am Weg nach Wallis, er hat ueber Nacht in einer Holzhuette hinter der Tanke gepennt, ist total durchnaesst und flucht schon ziemlich. Es regnet immer mehr. Wir unterhalten uns ueber die Schweiz und seine Jobs die er vorher so hatte. Dass er jetzt Obst ernten geht und tauschen ein paar HitchHike Abenteuer aus. Nach knapp 3h taucht ein portugiesischer Reisebus auf und will mich bis Lausanne mitnehmen. Der Fahrer hat ein portugiesisches Reisebuero und organisiert Fahrten zwischen Schweiz und Portugal. Sein Bus ist leer, aber sein Kollege hinter ihm hat schon ein paar Menschen geladen. Die lerne ich kennen als der Fahrer umdrehen muss um eine Tasche zu holen, die vergessen wurde. Ausserdem fuehrt mich der Bus ein Stueck weiter und kann mich an einer fetten Raststation raushaun. Die Leute im Bus schweigen sich an, sie wirken etwas verwirrt, grinsen aber als ich einsteige. Dann ists wieder still. Ich wache kurz vor Lausanne auf. Gleich auf LaCote, dem Autohof. Der Tscheche hatte mir ein paar franzoesisch-Tipps gegeben, jetzt, hier in der franzoesischen Schweiz, werde ich die gut brauchen koennen. Mit einem kurzen Gracias verabschiede ich mich von den Protugiesen, dann Klo, Kaffee und Zigarette. Ich spotte einen Fastfood Laden nachdem ich mir meinen Rucksack vom Regenschutz befreit und etwas umgebaut hatte gabs dann dort ein tolles Menu. Das Wetter ist wieder besser, sogar 1-2 Stunden Sonnenschein. Ich fuehle mich gut. Zum ersten mal bin ich so richtig in der Reise, hinter mir vergessen, vor mir die Unendlichkeit. Weiter mit einem Architekt nach Geneva, dort circa beim Flughafen raus und dann bei der Autobahnauffahrt weiter mit einem HipHopper, Vater und Raser bis kurz vor Annecy. Dort auf der Tanke entscheid ich mich mitzufahren bei der alten Dame die mich von sich aus ansprach als ich mein Schild schrieb – anstatt die bildhuebsche Kassiererin auf einen Kaffee einzuladen. So kam ich nach irgendwo. Chartreux, Alkohol Moenche. Berge. In ihrem Heimatdorf wo sie 30 Jahre lang Lehrerin fuer Franzoesisch war setzt sie mich noch gerne an der richtigen Stelle ab und zeigt mir ueber welchen Zeun ich klettern muss um in die Autobahntankstelle zu kommen. Dort warte ich etwa 5 Minuten bis mich NAME VERGESSEN mit nimmt bis Valence. Er hat eine aehnliche Einstellung zu Sport wie ich, arbeitet beim fuenftgroessten Stahlhaendler und laeuft gerne Berglaeufe bis 40km. Sein Vater hat schon genug Punkte fuer den Mt. Blanc Ultramarathon aber ich glaube herausghoert zu haben, dass er ihn nicht gelaufen ist. Im Kreisverkehr mit Autobahnauffahrt wo der ganze Verkehr auf die A7 muendet setzt er mich ab, ich baue mir ein Schild mit SUD und ignoriere gekonnt das mannshohe Schild mit Fussgaengerverbot. Wenig spaeter bleibt Dennis mit seinem klepprigen Planendach-Landy stehen und nimmt mich in der Abendsonne mit bis kurz vor Montpellier. SONY DSCDie Plane am Dach flattert bei gut 110 km/h einen geilen Breakbeat zusammen, so laut, dass die einzige wirkliche Unterhaltung darauf hinauslaeuft, dass er in den Bergen wohnt und gerade dabei ist eine Eis- und Fruchtsaftkette in Montpellier aufzumachen. Ein traumhafter Sonnenuntergang gepaart mit ein paar Regenboegen begleitet uns in die Nacht. Voellig dunkel ist es erst als ich aussteige, ein paar Sandwiches spaeter telefoniere ich ueber den Gratis-Hotspot mit Sonnhild am Skype und setzte mich dann planlos mit Kaffee und Tschik vor die Tankstelle, lege meine Kappe aus und schreibe das hier. 2 Wiener kommen vorbei, die nach Portugal fahren aber leider den ganzen T3 voll haben mit Reisezeugs. SONY DSC
Etwa gegen 12 entscheide ich mich dort zu pennen, genug Kilometer sind gemacht. Zuerst unter einem Daechlein lieg ich auf einer Bank, das ist aber nicht gemuetlich ohne Matte und Schlafsack. Da ich allerdings zu faul bin fuer Zeltplatz mit Dach im Gruenen suchen geh ich in den Vorraum der Tanke und penne dort – nicht gut – auf einem Ledersessel. In der Frueh nach dem Zaehneputzen und einem Kaffee geh ich mir mal die Ausfahrt anschaun und sieh da – dort steht schon wer. Ein Pole, will nach Perpignan oder so. Er bekommt nach 10 Minuten seine Chance, ich mache weiter. Ein Klimaanlagenservicemann nimmt mich mit bis Narbonne. In seiner Hand einen Joint gehts gemuetlich ueber die Autobahn. Er fragt mich, ob ich ziehen will und als ich beim zweiten Zug noch immer ueber die Frage nachdenke ists eh schon zu spaet. Wenig spaeter stehe ich bei der Mautstation 15 Minuten und fahre dann bis ca. 20Km nach Narbone mit einem Tennislehrer. Dort stelle ich mich an die Auffahrtsmautstation und nach einer Belehrung des Mautwarts, dass ich die Mautstelle nicht ueberschreiten darf weil sonst die Bullen kommen und mich einknacken sobald ich mich in einer der viiielen Kameras sehen die die Station angeblich ueberwachen, bleibt eine huebsche Frau mittleren alters stehen. Sie faehrt nach Pau, my luck, und bringt mich bis Tarbes. Allerdings reden wir nicht sehr viel, ihr Englisch ist nicht so toll und mir fallen keine Themen ein. In Tarbes gibts fuer mich erstmal einen Supermarkt mit Futter und Wasser, dann eine Parkbank zum futtern und schon mache ich mich auf die Suche nach einem Buchladen, denn ich brauche ja noch eine Karte, darum bin ich ja nicht an der fuer mich guenstigeren Stelle ausgestiegen – 30 Kilometer vorher – sondern hier in dieser ca 50.000 Einwohner Stadt. Also in die erste Trafik/Press und die haben Karten. 1:500.000… aber auch eine 1:100.000, leider vom falschen Gebiet. Ich frag wo ich welche bekommen koennt und er schickt mich zum Naechstgroesseren. Am Weg dahin redet mich ein Mann an, er habe mich gesehen im Buechergeschaeft, was ich denn braeuchte. Ich erzaehle meine Story inklusive Kartensuche und er geht mit mir zum Tourist Office wo ich eine Adresse fuer ein Buchgeschaeft bekomme. Es ist bloederweise genau das, wo ich schon vorher war, also gehe ich in das welches mir der Verkaeufer des ersten Landens empfohlen hatte – auch keine Karten. Als ich draussen bin und so ueberleg kommt der selbe Mann wie vorhin nochmal und erkundigt sich nach meinem Erfolg. Da es den nicht gibt will er mich gleich zum naechsten begleiten. Gesagt & getan, dort ist die groesste Trafik und die hat auch mehr Karten, aber keine die mir passt, alle ohne Wanderwege und Hoehenlienien. Also nochmal zum Tourist Office, wo denn der Alpinist Club und ein Hostel seien. Das abgecheckt spaziere ich weiter zum Alpinist Club, den sie mir komplett falsch eingezeichnet hatten, aber die Menschen auf der Strasse zeigten mir den Weg. Dort zwei mittelalte Leute, einer spricht Englisch und fragt was es denn gaebe. Als er seine Augen wieder in seinen Kopf reinbekommt fragt er mich warum ich ueber den hoechsten Gipfel der Pyreneen will, der noch dazu vergletschert ist, und ich sei allein, und warum ich nicht lieber durch das Tal daneben spazieren will, ob ich eh die richtige Ausruestung habe und wie ich denn da hinkommen will. Er gibt mir Bescheid, dass ich mit Neuschnee rechen soll, mit schlechtem Wetter und vor allem, dass ich Karten und Info die ich zum Weg brauche erst in Luchon checken soll, der Platz wo ich Guides finde sei kaum zu verfehlen.
Also, ich bin mir nicht sicher warum ich jetzt hier in Tarbes war, aber ich war in diesem Moment einfach nicht faehig in allem was Gutes zu sehen, zu wissen, dass alles was nach Tarbes kommen wird nur kommen wird, weil ich in Tarbes war. Kismet, Schicksal, mir egal. Zu Fuss in Richtung Autobahn, 45 Minuten, der erste laengere Marsch mit Rucksack, zuvor immer nur gestanden. Zieht ordentlich in den Beinen, bins ja gar nimmer gewohnt. Auf der Mautstation – bzw direkt davor – bleibt eine, obwohl ich kein Wort verstehe, extrem interessant strahlende Frau stehen, sie faehrt leider nur die halbe Strecke, und um dem Ruf von Hitch Hikern gerecht zu bleiben lehne ich ab, anstatt sie einfach zu fragen, ob ich nicht einfach mit ihr nach Hause fahren darf. Weiter gehts mit einer Frau bis Lezza…irgendwas und von dort auf der Road National weiter. Eigentlich will ich noch bis Luchon kommen, aber als ein netter Herr mich mit nimmt und fragt, ob ich bei ihm auf der Couch in Montrejeau pennen will, sag ich natuerlich sofort zu. Seine Frau darf aber nix davon erfahren, doch die ist eh weit weg. Die Bude schaut aus wie Sau, ist aber TipTop beinand. 2 Stockwerke, 2 Klos, Holzwendeltreppe, altes Haus, super Bausubstanz. Aber ist ja eh nur das Zweithaus, darum ziemlich runtergekommen. Auf jeden Fall gibts Strom, Tablet+Internet, Dusche und Essen. Darum war ich also in Tarbes! 🙂SONY DSC
SONY DSCIch schlief durch, das Wetter fuer die naechsten 3 Tage schoen angesagt, drum schiebe ich meine Sorgen beiseite. 8 Uhr auf, es gibt Tee vom Abend und Milch. Auf der Strasse nach Luchon hol ich mir noch einen Kaffee und dreh mir eine von dem Tabak den Jerome mir am vorabend schenkte, er hatte vor einen Jahr aufgehoert zu rauchen, und genoss die franzoesische Morgenstimmung. Mit einem jungen Student auf Praktikum fuhr ich bis Bagneres-du-Luchon. Dort zuerst mal ins Touristoffice, abchecken wo Karten kaufen. Die auch bekommen, die ersten paar Kilometer auf der franzoesischen Seite fehlten zwar, aber das macht nix. Auch dabei sind Tourenbeschreibungen meiner komplette Route und Telefonnummern der Refugios bzw. Informationen zu den unbewirtschafteten Huetten. Zuvor hatte ich noch in einem Bergsportgeschaeft ein aermelloses Fliess gekauft, damir mein Merino-Baselayer als etwas wenig vorkam. SONY DSCBei einem Kaffee baute ich mir aus dem 3-Sprachigen geschaetzt 100 Seitigen Beilageheft der Karte ein 6-Seitiges Buch mit den notwendigen Informationen und schaute mir die Routen mit tiefen Respekt vor den Hoehenmetern, die ich zuruecklegen werde an. Der Plan ist, irgendwie Richtung Hospice del France zu wandern, Tags darauf ueber Portillion de Benasque zum Refugio Renclusa und Tags darauf ueber den Aneto. Aber erst mal die 10 Kilometer zum Hospice del France. Viele Autos fahren vorbei aber ich bleibe zu Fuss. Nach circa 2 Kilometer komme ich drauf, dass ich nix zum Essen dabei habe ausser das Packerl Studentenfutter aus Wien. Zurueck oder weiter? Ich hab voll vergessen in den Supermarkt zu gehen. Aber der Rucksack ist schwer. Mit einem “Vater Unser” auf den Lippen scheisse ich drauf, am Weg sind viele Huetten, da werd ich schon was finden. Und es gibt immer noch Mutter Natur die mich unterwegs mit Dost, Wegerich und Chernobyl-grossen Walderdbeeren beschenkt. Und zwar so viele, dass ich kurzerhand ueberlege ob ich mich daran sattessen oder lieber weitergehen und Meter machen soll. Da die Leute im Dorf gesagt haben, das ich bis zum Sonntag (es ist wahrscheinlich Freitag oder so?) habe bevor das Wetter wieder umschwenkt entscheide ich mich fuer weitergehen. Angekommen am Hospice gibts eine Kaeseplatte (warme Kueche ist aus) und ein paar Gespraeche mit den Leuten die da sitzen, es gibt in 2 Tagen einen 60Kilometer Berglauf, vielleicht begegne ich denen ja noch das ein oder andere Mal. SONY DSC
Angeblich sinds 3 Stunden bis zum naechsten Refugio, da ich viel Gepaeck habe rechne ich also mit 4 und entscheide dort noch hinzuwandern, gibt angeblich auch ein emergency shelter dort wo ich hoffentlich ohne zu Buchen schlafen kann, gratis. Am Weg kommen mir viele Leute entgegenm meist mit truebem Blick, jedoch ein freundliches Bonjour laesst alle grinsend zurueckgruessen, ausnahmslos. Ich kuerze viel vom Weg ab, als ich in den steilen Teil komme. Es sind gefuehlt 200 Kehren und ich nehme 20 davon.SONY DSCDas treibt mir den Schweiss aus den Poren undn immer wenn ich eine kurze Verschnaufpause mache beginnt sich alles zu drehen. Trotz der Anstrengung und dem Fokus auf den Moment bemerke ich, dass das vom Nebel vershclossene Hochplateau immer naeher kommt. Vorbei an unterschwemmten Schneefeldern, Wasserfaellen und bunten Bergblumen gehts nach oben. Auf 2200 angekommen zieht der Nebel immer mehr zu und ich erhasche einen kurzen Blick auf die 3 Seen, welche eingebettet in diesem Plateau chillen. Der Huettenwirt ist gerade dabei den Generator zu reparieren – erfolglos. Ich frage nach Essen und einem Schlafplatz, beides gibts. Schlafen fuer 17 EUR, Essen hab ich nicht gefragt. Fuer Mitglieder von alpinen Vereinen ist es billiger, 8 EUR das Schlafen, fuer 5 EUR bekomme ich eine fette Portion Suppe mit Brot. Das Refugio ist seit ueber 30 jahren nicht veraendert worden erklaert mir der einzige weitere Gast, er ist alle paar Tage mal hier oben, wohnen tut er in Bordeaux. Zum Schlafen gibt es wie in einer Biwakschachtel eine Flaeche mit Matratzen ausgelegt und Poelster mit Decken liegen dabei. Sehr rustikal, nicht beheizt (ca. -1 Grad in der Nacht), aber es gibt Hausschuhe und einen Biertisch mit Bierbank zum niederlassen. SONY DSCAbgetrennt aber direkt angrenzend ist der Schlafraum der Guards, der Huettenbetreiber*Innen. Und daneben die Kueche, die privat, und als ich spaeter, da wir nur zu zweit waren, eintreten durfte weils dort waermer ist sehe ich, dass sie sehr modern eingerichtet ist. Es gibt einen grossen Gasherd. Wie in einem Gasthaus, eine Abwasch und sogar eine Waschmaschine. Ein sehr starker Kontrast zudem oeffentlichen Raum. Die Huette wird von einen Familie betrieben, das ist ein Paerchen in meinem Alter und ein Baby bzw. Kleinkind, geschaetzt bald 2 Jahre alt. Sie sind sehr freundlich, interessiert an meiner Story und spendieren mich noch einen Kuchen. Sie sind zum ersten Mal Huettenwirte und es scheint ihnen sehr Spass zu machen. Sie verdienen ihr Geld mit dem Essen, das sie verkaufen. Da ich nur eine Suppe hatte kann ich nicht viel ueber den Rest sagen, aber den Geschmack der guten Suppe auf der Zunge sehe ich sie einen Auflauf mit Gulasch essen und bin direkt neidisch, kann mir auch vorstellen, dass sie mit derart Speisen verdammt gut verdienen werden. Nach Kaffee und einer Zigarette bereite ich mir in der Eiseskaelte mein Bett vor und schluepfe in den warmen Schlafsack. Dann does ich weg und wache nur 1-2 Mal wegen Durst auf, ansonsten Tiefschlaf. Am naechsten Morgen der Wecker um 6:30, schnell zusammenpacken, mit der Kamera raus ein paar Bilder machen, ein Kaeffchen, eine Zigarette und ich verabschiede mich. Endlich sehe ich die Seen bei gutem Wetter, die Sonne geht auf und die Wiesen mit prallem Gruen stehen im angenehmer Komposition mit dem grau-braun der von gelben Sonnenlicht bestrahlten Felsen, dem mit roetlichem Staub bedeckten Schnee, dem Dunkel des Wassers, welches in Richtung gruen-blau driftet und dem morgendlichen hellblau des Himmels, das sich auch in den Rissen des in die Seen tauchenden Eises wiederfindet. SONY DSCDer Pfad auf dem ich Richtung spanische Grenze wandere ist gut ausgetreten und markiert, es geht geradeaus auf die Felswaende, die diese Idylle umrahmen, zu und nach einer Biegung des Weges oeffnet sich in 50 Metern Hoehe ein Felsportal zu dem es in steilem ZickZack empor geht. Das Portillion de Venasque. Die Grenze nach Spanien. Mir wurde von hier berichtet. Ueber den Ausblick auf das Maladeta Massiv welches es fuer mich zu ueberqueren gilt. Ich lasse den Blick auf dem Boden bis ich durch den Felsenpass hindurch bin und als ich die Augen hebe steht vor mir ein Monster aus Fels und Eis. SONY DSCMaladeta, aus dem Spanischen fuer “der Groesste”. So kommt es mir vor. Ich schiesse ein Foto, noch eines, dann beginne ich die gegenueberliegende Talseite zu inspizieren. Mein Blick faellt als erstes auf den Gletscher. Da muss ich durch! Sehr markant sieht man selbst von hier den von 1000den Menschen ausgetretenen Pfad ueber den Gletscher zum Gipfel. Auch das Refugio de la Renclusa faellt mir auf, dort will ich uebernachten und die laut plan 11 Stunden Tour der Ueberqueerung starten. Da es keinen Weg gibt vom Refugio zum Gletscher sondern alle Leute irgendwo durch den steilen Hand klettern muessen kann ich auch keine eventuellen Fruehaufsteher*Innen am Hang erkennen, neugierig richtet sich mein Blick auf den Gletscher, vielleicht sind ein paar Gruppen schon um 4 Uhr morgends los? Leider nicht. Ab ca 9h ist das Refugio de la Renclusa in der Sonne zu sehen, das bedeutet fuer mich einen relativ kalten Start, sofern ich ueberhaupt gutes Wetter habe. Aber die Chancen stehen gut, die Vorhersagen sind positiv, der Lauf morgen wird auch abgehalten und ich bin zuversichtlich. So sitze ich nach 10 Minuten ueber der Grenze am Hang in der Sonne und im Wind. Vom Tal laeuten der Kuhglocken, 2 Murmeltiere verlaufen sich bis auf 5 Meter in meine Naehe und galloppieren als sie mich sehen sofort ueber das naechste Schneefeld davon – ein bezaubern komisches Spektakel, die Fuesse der Tierchen “Marmot” trommeln auf dem gefrorenen Schnee, ein sehr lustiges Schauspiel. Die Sonne und der Wind liefern sich ein Battle um die gefuehlte Temperatur und ich beschliesse noch schnell eine zu rauchen, meine Fuesse zu hirschtalgen und dann ins Tal aufzubrechen. SONY DSCLaut singend, zuerst wieder ein “Vater Unser”, dann “Im Fruehtau zu Berge” und “Und am Abend ziehen Gaukler durch den Wald” – die einzigen 3 Lieder die ich kann. Ich versuchte mich noch an “Land down under” lasse es aber sein, da ich nach dem ersten Refrain anstehe. Ueber eine wundervolle Almwiese gehts also bergab ins Tal. Im Hospice de France hatte mich die Menschenmenge noch nicht so geschockt, immerhin sind sie alle an mir mehr oder weniger vorbeigefahren, aber als ich nach den ersten Serpentinen den oeffentlichen Bus durchs Tal brausen sah war mir klar, dass ich wohl nicht alleine sein werde. Unten in Tal – am Weg ca. 100 Kuehe und einige Murmler gesehen – hol ich mir an der Imbissbude mal ein Salamisandwich und mir wirds etwas leichter bei dem Gedanken, etwas Essbares eingesteckt zu haben. Die Menschen halten sich in Grenzen aber am Weg nach unten hatte ich gegen 10:30 die ersten Leute am Gletscher gesehen. Wenn die um 4 oder 5 los sind kann ich mir 6h Aufstieg gut vorstellen. Die ca. 50 Minuten zum Refugio de la Renclusa verbringe ich grossteils mit Staunen. So ueppig, so bunt sind die Wiesen und so perfekt ist das Baechlein in die Landschaft eingebettet. So einen schoenen Moment hab ich schon lange nicht mehr erlebt. Ich geniesse den Aufstieg, im Kopf tanzem die verschiedenen Bilder die ich mir von der Huette ausmale. Zuerst fallen mir die 2 dunklen Esel auf.SONY DSCDie Huette, ich hatte ein mini-Bild im Internet gesehen, war so pompoes und Touristik- versprechend wie eine Huette nur sein kann. Aus Stein und in grau gehalten bis auf die gruenen Tueren und Fensterlaeden stand das Mordsdrum da, 3 Kids sprangen an mir vorbei, sonst Totenstille. Zeit zum Umsehen. Wenn sich der Blick nach rechts wendet kommt zuerst von oben das alte Gletscherbett, von Wasserrinnsalen durchzogen, im unteren Bereich leicht begruent. Dort wo sich das Wasser darunter sammelt wird es zu einem ueber die Steine taumelnden Gebirgsbach und wo die Steine aufhoeren huschen in den mit leuchtend roten Bueschen und bunten Blumen durchzogenen Wiesen riesige grau-weisse Murmeltiere umher. Wenn der Blick weiter nach rechts wandert thronen oben die verschiedenen Gipfel des Maladeta Massives, drunter gruen bemooste Haenge mit Baeumchen drauf. Der Hang laeuft in der Naehe der Huette ueber dem Bach in eine Felswand ueber. In dieser Wand befinden sich zwei von menschlicher Hand geschaffene Strukturen. Eine quadratische Mauer mit grossen gruenen Tor und oben drueber zwei aus Steinziegeln geformte M’s. Wirkt religioes. SONY DSCSONY DSCWeiter rechts in der Felswand, zu der man ueber eine kleine Holzbruecke kommt, ist ein Blechdach auf eine leicht eingefallenen und von hohen Brennesseln umwachsene Steinmauer gelegt. Vielleicht mein Schlafplatz? Nun ja, ein Brunnen in meiner Naehe verlockt zum Wasserfuellen und nachdem ich der Verlockung unterlag bin ich schon drueben bei der Felswand, mal toll inspizieren. Das etwa 6 quadratmeter grosse Zimmerchen hinter der gruenen Tuer entpuppt sich als Schrein an dem Bergsteiger*Innen ihre Gaben hinterlassen, bevor sie ein Gebet auf den Lippen richtung Gletscher loswandern. Als ich das Johanniskraut, welches ich schon seit Luchon hinterm Ohr mittrug dazulegen will bemerke ich, dass ich es etwa 1 Minute vor dem Schrein verloren habe als ich meine Kappe abnahm um freien Blick zum fotografieren zu haben. Ich interpraetierte es so, dass die Geister des Schreins es sich schon geholt, oder wie ich spaeter denke, es gar nicht gewollt haben. Auch eine Suche brachte es nicht zurueck und so war ich schon ein bisschen traurig. Weiter zu dem alten Pfad der kaum gepflegt ist gehe ich in der Hoffnung meine Schlafstelle zu finden, jedoch schlaegt mir schon bald der Geruch von Mist entgegen, wird wohl der Stall sein. Jap, der Stall. Aber der Weg hat sich gelohnt, denn als ich mich umdrehe sehe ich, dass die Felswand sich spiralfoermig verengt und praktisch unter der Huete endet. Komisch, wo ist der Fluss hin? Ein kleines, dunkles Loch im Felsen gibt mir Bescheid, dort verschwindet ein Teil des Wassers, aber der Rest fliesst weiter, direkt auf die Felswand zu. Da ich bis jetzt nach nicht nachgeguckt habe was mit dem Wasser passiert muesst ihr wohl selbst auf die Suche gehen, irgendwo verschwindet das Wasser im Boden. Von all diesen schoenen Bildern vollgestopft betrete ich die Huette. Mir fallen die an die hundert Paar Crocs auf die im Eingang im Regal liegen und so schnapp ich mir eines und lass meine Schuhe und Rucksack draussen. Die Leute sind Distanziert, eine Person spricht Englisch und erklaert mit, dass es seit 2007 nur mehr bezahlte Unterkunft gibt, egal was meine Kartenbeschreibung wo gross “Actualisate 2013” steht sagt. Das truebt meine Stimmung schnell, denn das haett ich mir schon gewuenscht, ein gemuetliches Biwak abseits des Tourismus. 10 EUR kostet das Bett fuer Alpenvereinsmitglieder*Innen, ist ja eh ok, aber dann kommt die Info, dass alles ausgebucht ist. Das hatte ich mir schon gedacht, ich hatte auch wider den Empfehlungen beim Hospice und dem Refugio Venasque nicht angerufen. Planen sucks! Ich schau lieber wie ich einen Ausweg aus dieser mir nicht passenden Situation finde und so sag ich mal zu, dass ich einen Platz nehme falls jemand nicht kommt – haben sie mir natuerlich angeboten, sind ja keine schlechten Menschen, nur gepraegt vom Massentourismus – bestelle mir noch ein “Menu” zum Essen, was auch immer das ist, es ist um 13:30 fertig. Um 14h geh ichs mir holen udn bekomme einen fetten Teller Suppe als first plate serviert. Da sperr ich schon mal die Ohren auf, halte mich aber aus Neugierde zurueck. Die second plate ist ein Salat, der im Gegensatz zu der geilen Huehner-Ei-Nudelsuppe meinen Gaumen vor lauter nach Ammoniak schmeckendem Essig eher verletzt als mir mundet, doch ein Gedanke an die Vitamine und Naehrstoffe- und Salze die drinstecken nimmt mir jeden Geschmacksanteil. Als main course bekomme ich Fleischbaellchen mit Erbsen und vermutlich gebratenen Erdaepfeln, ich kanns nicht ganz sagen. An die Suppe kommt nix ran. Dann kommt als Desert ein Joghurt mit Honig das gut schmeckt und von mir mit einem Kaffee abgerundet wird. In meinen Augen tanzt eine fiktive Zahl zwischen 30 und 40 Euro die ich jetzt hier hinlegen werde, aber was solls, ich bin noch nicht mal die erste Woche meiner 2-Monatsreise unterwegs und sollte echt mal auf den Putz haun, hatt ich doch beim Autostoppen immer gespart mit Essen – nicht mit Kaffee – und eine fette Tour morgen vor mir, da muessen die Reserven aufgefuellt sein. SONY DSCEin kleines Kaetzchen, etwa 3 Monate alt, streunt durch die Gegend und ich lasse sie ein bisschen auf meiner Schulter sitzen waehrend ich in der Sonne liege und traeume. Ein bisschen dehnen fuer die Beine und Schultern ist drin, jetzt nach dem Essen werd ich mal toll Siesta machen! Die 16 EUR fuers Menu und 2 EUR Kaffee konnte ich gut verschmerzen und so liess ich mich einfach in der Sonne braten. SONY DSCIrgendwann wache ich auf, keinen Plan was geht, keinen Plan was tun, also geh ich mal mein Baselayer waschen so dass das Zeug morgen schoen frisch ist. Ich seh die Leute kommen und gehen, versuche ein bisschen Konversation zu treiben und erfahre, dass der Durchschnittsaufstieg 4-5 Stunden dauert. Ein 3er Team schlaegt mir vor einen Alternativweg zu gehen, dort sei ich alleine und haette eine tolle Aussicht. Auch raten sie mir ab, die Kletterei am Grat zwischen Aneto und Tempestades zu machen, der Abstieg in den Grad sei nicht gut und zum abseilen. Den Grat von Salenques ueber Tempestades Richtung Aneto empfehlen sie mir allerdings als den schoensten Grat der Pyreneen, immer im Bereich 3 und akzeptabler Fels, da muss ich mal mit Merlin hin. Auch soll ich beim Absteigen zu den Coronas – Gebirgsseen auf der anderen Seite – aufpassen, da um die Zeit die Randkluft meist offen ist und der Abstieg sehr steil sei. Ich werde allerdings die normale, kuerzere, von Leuten zugeschissene Route gehen, denn dann hab ich noch ein Zeitpolster. Hoffentlich schaff ich es dieses Mal – anderst als die letzten 2 Tage – rechtzeitig aufzustehen, um hoffentlich als erstes noch mit Hirnbirn vorauszugehen, denn Weg gibt es ja keinen. Gestern wars um 6:30 schon hell, auch sagen die, die zurueck kommen, das sie schon um 4 los sind. Die Sprachbarrieren sind ja doch nicht zu vernachlaessigen. So wies aussieht werd ich nicht warten bis die mir sagen, ob noch ein Platz frei wird sondern mich einfach ins Gruene verziehen. Gegen 7:30 als die Sonne beginnt zu sinken bau ich mir ein Biwak neben einem leicht ueberhaengenden Felsen. Unter den stelle ich meinen Rucksack. Wecker auf 3:30, will als erster und wenn geht alleine auf dem Gipfel sein. Ausserdem will ich dem Morgentau entgehen.

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